Seit einigen Jahren tauchen auf Veranstaltungen immer wieder Bilder auf, die mich faszinieren: Wunderschöne Rennwagen, perfekt inszeniert – und beim zweiten Hinsehen merkt man, dass sie gar nicht für erwachsene Fahrer gedacht sind. Diese Fahrzeuge wirken wie vollwertige Vorkriegsrennwagen, sind aber in einer Größe gebaut, die eher für größere Kinder geeignet ist.
Den Mann hinter diesen Unikaten – Ole Koch von der Blechkisten Manufaktur – durfte ich auf den Classic Days persönlich treffen. Wir hatten ein wirklich spannendes und herzliches Gespräch.
Alles aus einer Hand
Die Karosserien, das Fahrgestell, das Lenkrad, alle Holzarbeiten und die Technik – alles entsteht in reiner Handarbeit. Ole biegt, dengelt und formt Aluminiumbleche mit klassischen Werkzeugen wie dem Holzhammer, Sandsack oder English Wheel, so wie es im historischen Karosseriebau üblich war.
Aus einem flachen Stück Metall eine runde, harmonische Form zu schaffen, ist für mich jedes Mal aufs Neue faszinierend. Und bei ihm entstehen daraus Formen, die nicht nur wunderschön , sondern auch künstlerisch und spektakulär sind.

Vom Kunststudium zur Blechkunst
Auf meine Frage, ob er Karosseriebauer gelernt habe, kam ein überraschendes „Nein“ – er hat Kunst studiert. Und eigentlich sind seine Fahrzeuge auch genau das: Kunstgegenstände auf Rädern.
Die Geschichte begann damit, dass er – ganz ohne geschäftlichen Hintergedanken – für seinen Sohn einen Wagen bauen wollte. Der bekam sogar einen Motor und war tatsächlich fahrbereit. Als die Leute dieses Fahrzeug sahen, kamen die ersten Anfragen: „Kannst du so einen auch für mich bauen?“ – und so begann seine Blechkisten-Reise.
Handgefertigte Unikate mit fast allem, was ein Auto hat
Mittlerweile ist eine erstaunlich große Zahl von Fahrzeugen und Teilen entstanden. Die „Blechkisten“ haben alles, was man auch bei einem großen Auto findet: funktionierende Lenkung, Bremsen, (originale) Instrumente – nur eben keinen Motor (bis auf ein oder zwei Sonderfälle). Die Karosserien bestehen meist aus Aluminium, ergänzt durch aufwendig gearbeitete Holzelemente. Viele Details, wie Lederriemen auf den Motorhauben, gealtertes Leder oder handgemalte Startnummern, geben ihnen diese authentische Patina.

Warum kein echter Vorkriegsrennwagen?
Ich fragte ihn, warum er nicht einmal ein echtes Vorkriegsrennwagen-Chassis aufbaut. Seine Antwort: Das würde er wohl nur für sich selbst machen. Der Unterschied sei groß – bei den den jetzigen Fahrzeugen baut er die Fahrgestelle komplett selbst, ohne Einschränkungen durch Motorpositionen oder vorhandene Bauteile. Bei einem echten Auto müsse die Karosserie zudem deutlich stabiler sein.
Ein Katalog voller Träume
Unser Gespräch endete damit, dass er mir einen Katalog seiner bisherigen Arbeiten mitgab – gefüllt mit beeindruckenden Bildern seiner Fahrzeuge.

Ich hoffe sehr, dass ich eines Tages Ole Koch in einem von ihm selbst karossierten Vorkriegsrennwagen sehe.
Bis dahin freue ich mich aber jedes Mal, wenn ich seine aktuellen Ausstellungsstücke irgendwo entdecke. Denn auch ohne Motor wirken sie, als wollten sie sofort über die Startlinie rollen – und sie sind der beste Beweis dafür, dass Handwerk, Kunst und Oldtimer-Leidenschaft perfekt zusammenpassen.
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