Lass uns doch in den Urlaub fahren!

Jedes Jahr das gleiche…..wo und wann fahren wir in den Urlaub. Nicht das ich ein Problem mit Urlaub an sich hätte (wer mich gegoogelt hat weiß warum) sondern der Entscheidungsprozess ist für mich eine wirkliche Qual.

Nach dem ich mit Benjamine ins Büro gefahren bin und auch wieder zurück gekommen bin (und das ist eine andere Geschichte), liege ich gerade so auf der Couch und irgendwie male ich mir gerade so aus wie man in Italien durch kleine Städte mit ihr so fahren könnte. Das Bild das ich davon habe ist wirklich schön …denn durch kleine Orte, bei perfekten Wetter, kurz mal wo einkehren für eine Cappuccino (natürlich mit Panini), nette kleine Hotels mit tollem Essen, Benjamin schnurt nur so vor sich hin und wir (natürlich meine Frau und ich) beide im Sonnenuntergang am Meer und Benjamine steht wie im Prospekt dahinter.

Einfach Großartig denke ich mir und Träume sind ja was nettes aber eigentlich muss man sie leben bevor es zu spät ist. Wir haben ja auch noch keine Urlaubsplanung für dieses Jahr und so beschließe ich meiner Frau meine („tolle“) Idee zu unterbreiten.

Beim Abendessen ist eine gute Gelegenheit und heute gibst auch noch selbst gemachte Pizza und außerdem regnet es gerade draußen wo es doch Sommer sein sollte (also allem in allem eine Perfekte Atmosphäre für meine Idee) .

Mein Einstieg dabei ist gut gewählt und so frage ich „sag mal was machen wir denn dieses Jahr für einen Urlaub“, und die erhoffte Antwort meiner Frau ist “ weiss ich ehrlich gesagt auch noch nicht, hast Du eine Idee?“. Nun „Italien“ sage ich „wäre toll“ (und Teil eins ist geschafft). „Italien hört sich gut an“ sagt sie nun und sie ist schon kurz davor auf Ihrem Ipad mal zu recherchieren aber ich komme ihr zuvor und sage vorsichtig „Im Oldtimer….wäre mal was anderes“.

„Im Oldtimer?“ erwidert sie und ich kann ganz deutlich die Fragezeichen in Ihren Augen sehen und sie hängt noch dran „im Triumph“. Ok…ich sehe jetzt schon Widerstände auf mich zukommen denn der Triumph ist reiner Luxus gegen unsere 90 Jahre alte Benjamine. Nun heisst es Haltung bewahren und nach vorne gehen und so schallt wie selbstverständlich es ein „nein mit dem Benjamin“ aus mir heraus.

Im Raum ist es totenstill und ich hoffe der Sauerstoff geht nicht gleich aus. Nach kurzem Überlegen und einem nun einem extrem Fragenden Blick sagt sie „Auf dem Hänger nach Italien bringen?“. „Ok…wäre auch eine Möglichkeit“ sag ich „aber ich dachte da eher auf eigener Achse“.

Nun ist es raus und ich hoffe die Reaktion ist ein, „hey das ist eine tolle Idee“ …..mit dem wichtigen Zusatz „Schatz“ oder ein „lass uns das machen“ aber die Reaktion ist eine andere und sie sagt mit einem Augenaufschlag (der mir garnicht gefällt) „du wirst Schrullig auf deine alten Tage“.

Das muss ich erst mal verdauen (wer hier ist alt, geschweige denn schrullig?????) und nehme jetzt mal erst einen großen Schluck vom italienischen Wein (ok ich hoffe auch der Wein hilft mir jetzt beim Formulieren der richtigen Argumente,).

„Nein“ sag ich dann nach einer Weile es „ist ja genau das Gegenteil, ich fühle mich jung und eben nicht schrullig“ und ergänze noch forsch „das sei ja genau was auch für junge…oder junggebliebene…(oder so) und andere fahren ja schließlich auch mit einem Motorrad in den Urlaub“

Als Antwort kommt was kommen muss und sie erinnert mich nun an mein nach Hause kommen am letzten Mittwoch. Ich sei angeblich total fertig gewesen nach meinem schwachsinnigen Abenteuer mit Benjamine ins Büro zu fahren. Auch hätte ich, als ich nach hause gekomme sei, klar und deutlich gesagt das ich das nie wieder machen würde (ich kann mich an eine solche Aussage überhaupt nicht erinnern?). Darüber hinaus hätte ich 3 Tage lang über Kreuzschmerzen geklagt und sie hätte mich sogar massieren müssen am ersten Abend damit ich überhaupt einschlafen konnte….und nun soll es nach Italien gehen im Benjamin (und sie sagt es zwar nicht aber meint ganz deutlich ob ich noch ganz Dicht sei)?

Mit so viel Widerstand hätte ich gar nicht gerechnet aber wir haben ja jedes Jahr Diskussionen über die richtige Urlaubsdestination und so gebe ich nicht auf. „Nein…an so was kann ich mich überhaupt nicht erinnern“ erwidere ich ein wenig beleidigt „hab ich nie gesagt und überhaupt das sei ja alles anders gewesen (oder so) . Ja es sei anstrengend gewesen aber ja auch nur weil ich durch den Berufsverkehr musste, ich schlecht vorbereitet war und lasse dann noch überzeugend einfließen „in Italien gibt es so was wie Berufsverkehr überhaupt nicht“.

Nach dem wir die Emotionale Argumentation gerade durch sind folgen nun die Sachliche „und wie machen wir das mit dem Gepäck???“ kommt mir jetzt entgegen. Hmmm, dieser Teil kam in meinem Traum eigentlich nicht vor und ich muss improvisieren. „Gepäck….Gepäck…total überbewertet“ sage ich schnell „und was brauchen wir schon ( und meine „außer Luft und Liebe und Benzin“)„. „Benjamine hat doch auch einen großen Kofferraum…deswegen ja genau mit Benjamine“ kommt nun von mir einem leicht Vorwurfsvoll Ton.

„Der Kofferraum ist jetzt schon voll“ sagt sie nun und eigentlich hat sie recht denn wir haben einen Ersatzkanister, Ersatzwasser, Ersatzschrauben, Werkzeug, Luftpumpe, Öl, Warndreieck, Verbandskasten, Trichter, und einiges notwendige mehr darin.

Ich hoffe eigentlich das dies schon war aber nun kommt auch noch „Ach so…und wie ist das mit dem Brenner den wir über mehrere Kilometer rauf müssen?“ Ich muss kurz überlegen und wenn ich ehrlich bin macht mir das herunterfahren vom Brenner und Zierlerberg mehr sorgen mit Benjamins Bremsen (und ich sehe uns schon mit Ultra Topspeed den stehenden Verkehr überholen weil die Bremsen gerade sich in ihre Bestandteile auflösen hatten und einem Bremspedal das sich aufgrund der Hitzeentwicklung sich mit meinem Schuh verschweißt)….aber natürlich sag ich das nicht denn es würde meine Verhandlungssituation natürlich nicht wirklich verbessern.

Ok…(sachlich) kommen wir hier nicht wirklich weiter sage ich und versuche nun eine andere Taktik und ich sage vorwurfsvoll „immer machen wir was du willst“. Zu meinem erstaunen kommt das nun auch von meiner Frau und es herrscht nun wieder Totenstille (und diesmal kann man die Luft schneiden!).

Ich versuche dann ein „dann fahren wir halt nicht mit dem Benjamin nach Italien sondern wo anders hin“. Ein kurzes Leuchten in Ihren Augen kann ich sehen (was ich allerdings total miss interpretiere) und sie fragt dann mit einem schnäppischen Ton „wohin“ . Ich fühle mich kurz vor dem Siege meines Benjamin-Tripp und sage unvorsichtig „na dann fahren wir halte nach Wien „ (mir fällt gerade keine bessere Destination ein und Wien mag …nein liebt sie ja eigentlich).

„Michi“ sagt sie nun ( Michi sagt sie immer wenn ich was angestellt habe!!!) „das sind über 500 km von hier aus und du schaffst noch nicht einmal 57 km“.

Die Antwort sitzt und so sehr ich nachdenke sehe keine Chance meine Idee noch unterzubringen (für dieses Jahr) und erwidere kleinlaut…„na dann machen wir halt was anderes…war ja nur eine Idee“