Aflenzer Winterrallye….alles andere war Kindergarten!

Manchmal ist Naivität ganz praktisch….denn sonst würde man oft Dinge nicht tun, wenn man sie vorher gewusst hätte, erst garnicht machen würde!

Als mich Stephan fragte ob ich bei der Winterrallye als sein Beifahrer (und Navigator) dabei sein möchte wusste ich nicht wirklich was mich erwartet. Das war auch im Nachhinein auch gut denn ich vermute ich hätte nicht ganz schnell ein „na klar“ als Antwort gegeben. Winterrallye hört sich spannend an und erst recht wenn Olditmer darin vor kommen.

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Natürlich gab es Warnungen aber die hab ich naiver Weise nicht wirklich ernst genommen. Da waren z.B. die Bilder auf der Veranstalterseite von den Autos die teilweise schon nicht mehr nach Olditmer Autos aussehen sondern eher nach ausgewachsenen Rallye Autos die man ja so aus dem Motorsport kennt. Da war ein Email von Jens der mich wohl versucht hatte vorsichtig drauf vorzubereiten (er war letztes Jahr mit dabei) und ich ihm ein „du machst mir Freude“  mit einem lächeln als Antwort schickte und sicherlich hätte ich auch mal Googeln sollen (schon von Berufswegen).

6 Stunden gings von München anch Aflenz und Stefans Alfa GTV (auf Hänger) war generalstabsmäßig vorbereitet inkl. vielen Material für alle Fälle. Die Spikes die im Kofferraum seines Zugfahrzeuges lagen hätten mich übrigens auch warnen müssen. Ja wer braucht den Spikes…..Winterrallye ok….aber Spikes empfand ich am Anfang doch leicht übertrieben (wir fahren doch eine Oldtimerrallye oder?).

Ich bin ja schon einige Oldtimerrallyes gefahren und Roadbook….Chinesenzeichen….eines meiner leichtesten. Die letzte Rallye die ich mitgefahren bin, als Navigator, haben wir sogar gewonnen….also ich kann das….DACHTE ich!

Als wir nach 6 Stunden Fahrt ankamen und am Parkplatz  bereits viele Teilnehmerfahrzeuge standen…..da hatte ich schon zum ersten mal ein ungutes Gefühl. Meine Erwartung war eine Ansammlung von Historischen Fahrzeugen vorzufinden und zwar so wie ich sie eigentlich kenne….nämlich Harmlos.Die hier waren alles andere als Harmlos und ich befand mich (gefühlt) plötzlich in mitten der Rallye Montecarlo.

Ok….keine Panik dachte ich mir….die sehen halt so aus….es ist ja Winter und alle wollen hier Stielecht durch die Gegend fahren (und hoffte insgeheim ich täusche mich nicht).

Das Abendessen brachte dann Ernüchterung.…nein…die sind nicht harmlos und von Show war hier überhaupt nicht die Rede….hier wird beinhart gefahren und das in den Bergen bei Eis und Schnee und wer kein gut vorbereitetes Auto hat kommt eh nicht weit!

Die nächste Überraschung waren dann die Geschichten über das Roadbook der Vorjahre. „Chinesenzeichen wäre was für Anfänger“ kam mir als erstes entgegen (sorry ich dachte das wäre die höhere Schule), nein hier gibts 60 Seiten Karten pro Tag in unterschiedlichen Maßstäben bei denen man sich den richtigen Weg selber aussuchen muss um div. Wertungsprüfungen richtig anzufahren (und das bitte auch noch gefälligst in der richtigen und vorgegeben Zeit). Um den richtigen Weg übrigens sich selbst in die Karten einzuzeichnen hat man dann darüber hinaus gerade mal 1 Stunden Zeit. Denn genau 1 Stunden vor seiner vorgegeben Startzeit bekommt man seine persönliches Kartenmaterial in die Hand gedrückt ….und ich sage Euch ….das ist verdammt wenig Zeit um 60 Seiten durchzuarbeiten!

Die Geschichten die dann noch über das Kartenmaterial das nämlich eigentlich Wanderkarten seien (ja keine Straßenkarten….nein für unsere Wege gibts nur Wanderkarten!) lies meinen letzte Hoffnung nach einer entspannten Ausfahrt sinken und ehrlich geasgt war ich jetzt in Panik ….worauf habe ich mich hier bitte eigentlich eingelassen???

Dann gabs noch die Diskussion ….mit Spikes oder ohne…..naja der Veranstalter sagte mit guten Winterreifen würde es wohl auch gehen. Das sprach sich rum und natürlich hatten alle am nächsten Tag SPIKES drauf ….und keine Winterreifen (wir haben dann unsere Spikes natürlich dann auch montiert!)

Am Freitag gings erst Nachmittag richtig los….Karten abholen und ich wusste ….jede Sekunde zählt jetzt. Zitternd hielt ich mein Unglück in der Hand und Stephan ging mit mir die Karte durch und wir zeichneten uns die entsprechende Wege ein. Ich denke auf Seite 20zig hatte ich das Gefühl….wir werden nie ankommen….die müssen uns heute Nacht (mit Hubschrauber) suchen. Stephan war da schon deutlich sicherer, immerhin ist er sie schon 3x gefahren. Es waren diverse Wertungsprüfungen die man  dann in bestimmte Strecken (in vorgegeebener Zeit fahren musste. Insgesamt musste man aber auch noch die Gesamtzeit im Auge behalten und zu guter letzt durfte man auch noch einzelnen Etappen in bestimmten Zeiten fahren. Wenn das verwirrend klingt…..mir schwirrte der Kopf (WO RAUF HAB ICH MICH EINGELASSEN).

1 Stunden war rum  und ich kann Euch sagen, das ist verdammt wenig Zeit um alles auszuarbeiten. Auch war jetzt klar….wir werden auch Nachts im Dunklen einige Etappen fahren.

Am Start gings dann los und gefühlt war das meine beste Minute des Tages……aber ein zurück gabs nicht und Stephan zählte auf mich. Ich muss zugeben….den ersten Tag hab ICH echt versaut. Ja wir haben uns verfahren….ja wir haben Wertungsprüfungen vergeigt, weil Zeiten checken, Karte lesen, Seiten wechsel (und festzustellen das der Maßstab ein ganz andere ist als die Vorseite) Lampe halten, Stoppuhr drücken, Wegzähler im Auge behalten und fragen des Fahrers „wo sind wir“ irgendwann einfach zu viele Dinge auf einmal sind.

Der Anfang war es die Hölle…..und auch wenn ich zwischendurch mal überhaupt nicht mehr wusste wo wir gerade waren so kam ich erst im Laufe des Tages wirklich rein. Das Ergebnis allerdings waren so viele Strafzeiten schon am ersten Tag (über eine Stunde) das wir keine Chance mehr hatten noch irgendeinen gute Platzierung zu machen. Zu meinem erstaunen waren wir dann doch noch auf Platz 22 gefahren von über 50 Fahrzeugen und meine Laune ging nach oben.

Ja mein erstes mal…..hey alle anderen Oldtimerrallyes die ich bisher gefahren bin waren alle samt Kindergeburtstag. Stephan fuhr klasse ……schnell und konzentriert und das auf vereißten kleinen Feldwegen durch Berge und 1000ten von Kurven…und ich wahr froh um jeden Spike den wir im Reifen hatten.

Da ich das mit den Karten am Abend schon langsam beherrschte, nur das nicht mit den Zeiten, war mein Ziel das am nächsten Tag besser zu machen.

Der nächste Tag ging wie schon am Vormittag los mit der Ausgabe des Roadbooks und so wusste ich jetzt schon worauf es ankam bei den Wertungsprüfungen und auch welche Notizen ich mir machen musste (Wichte Punkte, Zeiten, km, Startpunkt der WP und Ende der WP) und machte mir überall kleine Postit die ich dann auf der entsprechenden Seite einklebte um sie später mir aufs Handschubfach zu kleben. Die Angst vor der Navigation hatte ich auch nun nicht mehr….aber immer noch gehörigen Res
pekt.

Was soll ich sagen….es ging am 2ten Tag wirklich gut….wir haben insgesamt nur 12 Minuten Strafzeiten bekommen und wir fuhren sogar den ersten Teil mit Null Strafpunkten. Immerhin war die 2te Etappe über 400 km lang und ging durch extrem anspruchvolles Gelände (scharfe eisige kurven, Schnee, Matsch, Asphalt, schnell, langsam, rauf und runter und das alles meist auf engsten Straßen) die Stephan perfekt meisterte (manche hatte da deutlich mehr Probleme und es gab auch Blechschaden). Auch waren wir als Team langsam eingefahren und insgesamt waren wir bei vielen Wertungsprüfungen sogar zu früh dran und mussten kurz Warten (um nicht Strafpunkte dafür zu kassieren das wir diesmal sie zu früh anfuhren). Auch konnte ich meinen Kopf mal aus der Karte heben und auch die unglaublich tolle Landschaft sehen durch die uns die Rallye brachte. Ich habe an dem Tag übrigens mehr Schnee gesehen als ich diesen ganzen Winter bisher gesehen hatte.

Der Tag lief also wirklich gut und ehrlich gesagt hatte ich nun einen rießen Spaß. Auch habe ich interessante und nette neue Oldtimerbesitzer (der anderen Art) kennen gelernt in den 2 Tagen deren Leidenschaft für diese Arte von Motorsport in Kombination mit Oldtimer ich nun wirklich nachvollziehen kann.

Also lieber Stephan….ein herzliches Dankeschön für die unglaubliche Erfahrung …..deiner Geduld am ersten Tag und solltest Du mal wieder einen Beifahrer suchen….ich bin dabei.

Die nächsten Tage gibst dann Bilder und auch einen Film der mal zeigt wo wir da durch sind am Beispiel einer kompletten Wertungsprüfung